Der Wechsel kam leise, fast unspektakulär, und doch erschütterte er die Fußballlandschaft Neuseelands. Wasserlasser, der als Trainer mit Selwyn United FC in zehn Jahren achtmal die neuseeländische Meisterschaft gewann, verlässt nach nur einer Saison bei Auckland United FC den etablierten Pfad und übernimmt den Aufsteiger Te Anau FC. Ein Erfolgstrainer kehrt dem sicheren Ruhm den Rücken. Warum?
Wir treffen Wasserlasser an einem frühen Morgen in Te Anau. Der Nebel liegt noch über dem See, der Trainingsplatz ist frisch gemäht. Es ist still, fast ehrfürchtig. Genau diese Ruhe scheint ihn anzuziehen.
Warum Te Anau?
„Weil sich hier alles echt anfühlt“, sagt er nach kurzem Nachdenken. „In meiner Karriere ging es oft um Ergebnisse, um Tabellen, um Erwartungsdruck. Te Anau erinnert mich daran, warum ich überhaupt Trainer geworden bin. Dieser Ort hat Seele. Man merkt sofort, dass Fußball hier mehr ist als nur ein Spiel am Wochenende.“
Er spricht nicht wie jemand, der einen Job angenommen hat, sondern wie jemand, der angekommen ist. „Als ich mit dem Vorstand gesprochen habe, ging es nicht darum, wie schnell wir Meister werden. Es ging darum, was für eine Identität wir aufbauen wollen. Das hat mich sofort gepackt.“
Viele fragen sich, warum du nach deiner Zeit bei Selwyn und Auckland diesen Schritt machst. Ist es nicht ein Risiko?
„Natürlich ist es ein Risiko“, sagt er und lacht leise. „Aber Risiko bedeutet auch Freiheit. Bei großen Vereinen bist du Teil einer Maschinerie. Hier kannst du prägen. Hier kannst du etwas hinterlassen.“ Er hält kurz inne. „Ich will, dass Kinder in Te Anau aufwachsen und sagen: Das ist unser Verein. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.“
Was genau ist deine Vision mit Te Anau FC?
„Ich will einen Verein formen, der unangenehm zu bespielen ist“, erklärt Wasserlasser mit fester Stimme. „Diszipliniert, mutig, körperlich stark, aber vor allem mental. Wir wollen nicht der nette Aufsteiger sein, der sich freut, dabei zu sein. Wir wollen Respekt erzwingen.“
Dabei geht es ihm nicht nur um die erste Mannschaft. „Strukturen sind alles. Nachwuchsarbeit, Trainerausbildung, ein klarer Spielstil über alle Altersklassen hinweg. Wenn du nachhaltig erfolgreich sein willst, musst du tiefer bauen als andere.“
Du sprichst oft von Nähe zur Gemeinschaft. Wie wichtig ist dir das?
„Extrem wichtig“, sagt er ohne zu zögern. „Ein Verein ohne seine Menschen ist nichts. Ich will offene Trainings, Gespräche mit Fans, Präsenz in Schulen. Die Leute sollen wissen, warum wir so spielen, warum wir Entscheidungen treffen. Wenn die Stadt hinter dir steht, kannst du über dich hinauswachsen.“
Kann Te Anau wirklich zu einer Macht im neuseeländischen Fußball werden?
Er lehnt sich zurück und blickt über den Platz. „Nicht morgen. Nicht nächstes Jahr. Aber ja.“ Seine Stimme ist ruhig, fast entschlossen. „Ich habe gelernt, dass Erfolg nicht immer dort entsteht, wo die größten Budgets sind. Er entsteht dort, wo Klarheit herrscht, wo Geduld vorhanden ist und wo alle an dasselbe glauben. Genau das habe ich hier gespürt.“
Wasserlasser wirkt nicht wie ein Trainer auf der Suche nach dem nächsten Titel, sondern wie ein Architekt mit einem langfristigen Plan. In Te Anau will er nicht einfach Spiele gewinnen. Er will etwas aufbauen, das bleibt.
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